Bei Dürre denken viele zuerst an Bilder, die weit weg entstanden sind: ausgetrocknete Böden am Mittelmeer, leere Brunnen in Afrika und Menschen, die mit Kanistern auf Wasser warten. Deutschland passt nicht so recht in dieses Bild. Volle Flüsse und Seen, ausreichend Grundwasser und ein gemäßigtes mitteleuropäisches Klima haben über Jahrzehnte das Gefühl geprägt, Wasser sei hier zwar kostbar, aber verlässlich verfügbar. In den vergangenen Jahren hat dieses Bild erste Risse bekommen, im Alltag vieler Menschen blieb Wassermangel dennoch ein eher fernes Problem.

Im Sommer 2026 wirkt diese Sicherheit weniger selbstverständlich. Niemand muss daraus gleich ein Katastrophenszenario machen; die Wasserhähne fallen nicht flächendeckend trocken. Trotzdem werden die Folgen der Trockenheit immer sichtbarer: niedrige Pegel, Einschränkungen bei der Wasserentnahme, ausgedörrte Böden, Probleme bei der Bewässerung und deutliche Ernteverluste. Wasser fehlt nicht überall und nicht ständig. Knapp wird es vor allem regional, saisonal und dann, wenn Landwirtschaft oder Ökosysteme besonders darauf angewiesen sind. Damit wird aus einem Wetterthema zunehmend auch eine Verteilungsfrage. Sichtbar wird das etwa an den von Kommunen und Landkreisen erlassenen Verboten, Wasser aus Seen, Flüssen und anderen Oberflächengewässern zu entnehmen.

Was ist mit dem Trinkwasser?

Die Trinkwasserversorgung wird in Deutschland überwiegend aus Grundwasser sichergestellt; gegenüber vielen anderen Nutzungen hat sie eine hohe Priorität.

Auch das Grundwasser reagiert auf längere Trockenphasen, allerdings mit Verzögerung. Nach Informationen des Umweltbundesamtes sanken die Grundwasserstände in oberflächennahen Grundwasserleitern in den Jahren 2018, 2019, 2020 und 2022 deutlich.Krisentreffen zu Niedrigwasser: Wenn die Wasserstraßen versiegen | tagesschau.de

Zu wenig Regen erklärt nur einen Teil

Dürre lässt sich nicht allein an der Regenmenge festmachen. Für die verfügbare Wassermenge spielt ebenso eine Rolle, wie viel durch Wärme verdunstet, wie rasch Niederschlag abfließt, wie gut ein Boden Wasser aufnimmt und welcher Anteil tatsächlich tief genug versickert, um das Grundwasser zu erreichen.

Das Frühjahr 2026 war in Deutschland mild, ungewöhnlich sonnig und deutlich zu trocken. Bundesweit fielen 126 Liter Niederschlag pro Quadratmeter. Das waren 68 Prozent des langjährigen Mittels von 1961 bis 1990 und rund 74 Prozent des Mittels der Jahre 1991 bis 2020. Auch der Juni blieb mit etwa 66 Litern pro Quadratmeter unter beiden Vergleichswerten. Hinzu kommt, dass sich die Niederschläge regional sehr ungleich verteilten. [Quelle]

Ein kräftiges Gewitter ändert daran oft weniger, als der Blick aus dem Fenster vermuten lässt. Auf ausgetrockneten oder verdichteten Flächen kann ein erheblicher Teil des Wassers oberflächlich ablaufen. Für die Vegetation bringt ein solcher Regen kurzfristig Entlastung; die tieferen Bodenschichten und das Grundwasser profitieren wesentlich langsamer. Gleichzeitig steigt bei hohen Temperaturen die Verdunstung. Deshalb kann die Wasserbilanz einer Region schlechter werden, obwohl die jährliche Niederschlagsmenge im langjährigen Vergleich gar keinen dramatischen Abwärtstrend zeigt.

Nasse Jahre löschen trockene Jahre nicht aus

2023 und 2024 waren in Deutschland ausgesprochen niederschlagsreich. Zwischen August 2023 und Juli 2024 fiel sogar so viel Regen wie in keinem vergleichbaren Zwölfmonatszeitraum seit Beginn der flächendeckenden Messungen im Jahr 1881. Das half Böden, Flüssen und Grundwasser, bedeutete aber keinen dauerhaften Reset. [Quelle]

Bereits 2025 kippte die Lage wieder. Nach Angaben des Umweltbundesamtes fielen im Jahresverlauf 655 Liter Niederschlag pro Quadratmeter, etwa 17 Prozent weniger als in den üblichen Referenzperioden. Vor allem die Monate von Februar bis Mai waren trocken. Wer nur auf die Jahressumme schaut, übersieht deshalb einen wichtigen Teil des Problems: Für Pflanzen und Wasserwirtschaft ist der Zeitpunkt des Niederschlags mindestens so wichtig wie die Menge. Regen im Winter ersetzt keine verlässliche Bodenfeuchte während einer heißen Vegetationsperiode. [Quelle]

Drei Formen, ein gemeinsames Problem

Fachlich wird zwischen meteorologischer, landwirtschaftlicher und hydrologischer Dürre unterschieden. Meteorologische Dürre beschreibt zunächst einen längeren Zeitraum mit ungewöhnlich wenig Niederschlag. Von landwirtschaftlicher Dürre spricht man, sobald im Boden nicht mehr genügend pflanzenverfügbares Wasser vorhanden ist. Hydrologische Dürre zeigt sich später in niedrigen Wasserständen von Flüssen, Seen oder Grundwasser.

Diese Formen laufen zeitlich nicht sauber parallel. Nach einigen Regentagen kann die oberste Bodenschicht wieder feucht sein, während tiefere Schichten trocken bleiben. Ein Bach kann sich kurzfristig erholen, ohne dass sich an der Grundwassersituation viel ändert. Gerade diese Verzögerungen erklären, warum die Lage nach einem Wetterumschwung besser aussehen kann, als sie hydrologisch tatsächlich ist.

Aus Pegelständen werden Interessenkonflikte

Beim Grundwasser zeigt sich dieser zeitliche Versatz besonders deutlich. Ende Juli 2026 lagen in Baden-Württemberg 52 Prozent der beobachteten Messstellen auf niedrigem Niveau; die übrigen 48 Prozent befanden sich im unteren Normalbereich. Für den Juli wurde dort zudem praktisch keine relevante Grundwasserneubildung festgestellt. Parallel führen kleinere Bäche und Flüsse regional so wenig Wasser, dass Behörden Entnahmen für Bewässerungszwecke einschränken oder ganz untersagen. [Quelle]

Solche Verfügungen treffen auf unterschiedliche Interessen. Landwirtschaft und Gartenbau brauchen Wasser für Kulturen, Kommunen müssen die Versorgung sichern, Gewässerökosysteme benötigen Mindestwasserstände, und mancherorts kommt industrieller Bedarf hinzu. Je knapper die verfügbare Menge wird, desto häufiger müssen diese Ansprüche gegeneinander abgewogen werden.

Von einer flächendeckenden Trinkwasserrationierung in Deutschland ist nach der hier ausgewerteten Faktenlage nicht die Rede. Das ist wichtig, weil zwischen realem Wassermangel in einzelnen Regionen und einem allgemeinen Versorgungskollaps ein großer Unterschied liegt. Die sachliche Einordnung zeigt die ernste Entwicklung bereits auf; zusätzliche Dramatisierung braucht es nicht.

Die Landwirtschaft merkt es früh

Auf dem Feld wird Trockenheit schnell sichtbar, weil Pflanzen auf das Wasser reagieren, das ihnen während ihrer Entwicklung tatsächlich zur Verfügung steht.

Der Deutsche Raiffeisenverband erwartet für 2026 eine Getreideernte von rund 40,6 Millionen Tonnen. Gegenüber etwa 45 Millionen Tonnen im Vorjahr entspricht das einem Rückgang von rund zehn Prozent. Seit Beginn der Dürreperiode Mitte Juni sollen nach Verbandsangaben rund drei Millionen Tonnen Getreide und Raps verloren gegangen sein; der wirtschaftliche Schaden wird auf etwa 600 Millionen Euro geschätzt. [Quelle]

Für Getreide und Raps ist ein großer Teil der Ernte inzwischen eingefahren oder abgeschlossen. Bei Mais, Kartoffeln, Zuckerrüben und vielen Gemüsekulturen fällt dagegen ein wesentlicher Teil des Wasserbedarfs in die Sommermonate. Mais reagiert besonders empfindlich während der Blüte und Kornbildung, Kartoffeln während der Knollenbildung. Zuckerrüben benötigen Wasser, um Blattmasse und Rübenkörper aufzubauen, während Gemüsebetriebe häufig unmittelbar von einer funktionierenden Bewässerung abhängen.

Wie wenig abstrakt das ist, zeigt ein Beispiel aus dem Raum Heilbronn. Auf einem Feld, das nicht mehr ausreichend bewässert werden konnte, blieben Zwiebeln bei etwa drei Zentimetern Durchmesser; zur Ernte wären sechs bis sieben Zentimeter üblich. Für einen Betrieb ist das keine Klimakurve, sondern Ware, die sich kaum oder gar nicht vermarkten lässt.

Damit reicht das Thema weit über Umweltpolitik hinaus. Für landwirtschaftliche Betriebe geht es unmittelbar um Erträge und Einkommen; entlang der Lieferketten wachsen die Unsicherheiten. Zugleich verändern sich die Risikokalkulationen von Versicherern und die Wirtschaftlichkeit von Investitionen in Bewässerung, Speicher oder trockenheitsverträglichere Sorten.

Europa liefert den größeren Maßstab

Deutschland steht mit dieser Entwicklung nicht allein. Der europäische Klimabericht für 2025 weist für rund 70 Prozent der europäischen Flüsse eine unterdurchschnittliche Wasserführung aus. Zugleich gehörte 2025 zu den drei trockensten Jahren für die Bodenfeuchte seit Beginn der vergleichbaren Auswertungen 1992. Auf mindestens 95 Prozent der europäischen Fläche lagen die Jahrestemperaturen über dem Durchschnitt. [Quelle]

Höhere Temperaturen verschlechtern die Wasserbilanz, weil mehr Wasser verdunstet. Das macht nicht jeden künftigen Sommer automatisch zu einem Dürresommer; Wetter bleibt wechselhaft, und regionale Unterschiede bleiben groß. Die Belastungsgrenze verschiebt sich dennoch, wie die trockenen Sommer 2018 und 2019 gezeigt haben. Für Mitteleuropa waren sie außergewöhnlich; eine vergleichbare zweijährige Sommerdürre hatte es nach den zugrunde liegenden Auswertungen seit etwa 250 Jahren nicht gegeben. Was damals wie ein extremes Einzelereignis wirkte, gehört heute zu einer breiteren Diskussion über die Belastbarkeit unserer Wasser- und Versorgungssysteme.

Wo der Roman „RIZA“ an die Gegenwart anknüpft

An diesem Punkt kommt der Roman RIZA – Wasser und Macht ins Spiel. RIZA ist ein Thriller und keine Prognose. Der Roman greift reale Entwicklungen auf und denkt sie weiter: Wasser wird knapper, der Verbrauch stärker gesteuert, technische Lösungen gewinnen an Bedeutung. Damit stellt sich auch die Frage, wer über Infrastruktur, Daten und letztlich die Verteilung von Wasser entscheidet.

In einem frühen Kapitel des Romans beginnt Berlin, seinen Wasserverbrauch stärker zu kontrollieren. Eine App weist Kontingente aus, Haushalte bekommen Rückmeldungen, Sparen wird gemessen und belohnt. Im Roman fällt dazu der Satz: „Berlin trank nicht mehr einfach. Berlin zählte.“

Deutschland ist 2026 davon weit entfernt. Die Verbindung zur Gegenwart liegt auch nicht in einer angeblich bevorstehenden Rationierung, sondern in der Entwicklung davor. Trockene Böden erhöhen den Bewässerungsbedarf; niedrige Flusspegel führen zu Entnahmebeschränkungen, und bei anhaltender Trockenheit geraten auch die Grundwasserreserven stärker unter Druck. Dann müssen Behörden, Landwirtschaft, Wasserversorger und andere Nutzer aushandeln, welche Nutzung Vorrang hat.

Diesen Übergang greift RIZA auf. Der Roman fragt, was geschieht, sobald Knappheit nicht mehr nur als Naturereignis behandelt wird und Entscheidungen über Zugang, Preis und Kontrolle nach sich zieht.

Wer über knappes Wasser entscheidet

Eine zeitweise Begrenzung von Wasserentnahmen kann in einer Trockenperiode schlicht notwendig sein; ebenso sinnvoll können genauere Messungen oder eine effizientere Bewässerung sein. Problematisch wird es, sobald Kriterien unklar bleiben, Entscheidungen kaum nachvollzogen werden können oder einzelne Akteure dauerhaft zu viel Einfluss auf eine kritische Ressource gewinnen.

Technik allein löst das Problem nicht. Sie kann den Umgang mit knapperem Wasser aber deutlich verbessern, etwa durch präzisere Bewässerung oder trockenheitsverträglichere Sorten. Auch Sensorik und datenbasierte Prognosen spielen dabei eine Rolle. Im Roman entwickelt das Start-up RIZA genau solche Lösungen: dürreresistenteres Saatgut und datenbasierte Verfahren für eine Landwirtschaft unter Wasserstress.

Mit zunehmender Bedeutung solcher Systeme wächst allerdings auch ihr Machtpotenzial. Relevant sind dann nicht nur technische Leistungsdaten, sondern auch Eigentums- und Zugangsfragen. Für Landwirte kann es entscheidend werden, ob sie Wahlfreiheit behalten und wer Systeme kontrolliert, die im Ernstfall den Wassereinsatz beeinflussen. Solche Governance-Fragen sollte man klären, bevor ein akuter Versorgungsengpass politischen Zeitdruck erzeugt.

Was der Sommer 2026 bereits zeigt

Wasserknappheit beginnt nicht erst an einem trockenen Wasserhahn. Sie kann auf einem Acker anfangen, dessen Boden im Frühjahr zu wenig Feuchtigkeit gespeichert hat, oder an einem Bach, aus dem wegen des niedrigen Pegels kein Wasser mehr entnommen werden darf. Für einen Gemüsebetrieb kann ein genehmigter Brunnen plötzlich zu wenig liefern; für eine Kommune stellt sich die Frage, wie sie Reserven schützt, bevor überhaupt ein Versorgungsproblem sichtbar wird.

Aus Deutschland wird deshalb kein Wüstenstaat, und ein flächendeckendes Austrocknen Europas ist nicht das Szenario, um das es hier geht. Die andere Seite ist jedoch ebenso wichtig: Verlässliche Wasserverfügbarkeit lässt sich nicht mehr überall und zu jeder Zeit als selbstverständlich voraussetzen.

Für die Praxis bedeutet das vor allem Arbeit an vielen Einzelstellen. Böden müssen mehr Wasser halten, Leitungsnetze weniger verlieren und die Landwirtschaft sich stärker an regionale Bedingungen anpassen. Für neue Technologien und Entnahmeregeln braucht es zugleich Zuständigkeiten, die auch unter Druck nachvollziehbar bleiben.

Näher als du denkst

Dürre wirkt fern, solange sie nur mit Bildern aus anderen Klimazonen verbunden ist. Im Sommer 2026 findet man ihre Spuren jedoch auch in deutschen Ernteschätzungen, Pegelständen, Entnahmebeschränkungen und Grundwasserdaten.

Im Roman wird diese Entwicklung fiktional weitergedacht. Dabei geht es weniger um die Behauptung, Deutschland steuere auf genau dieses Szenario zu, als um eine andere Frage: Wie verändern sich Entscheidungen, Märkte und Machtverhältnisse, sobald Wasser nicht mehr jederzeit in der gewohnten Menge verfügbar ist?

Solche Fragen sollte man nicht erst beantworten, wenn aus einer hydrologischen Kennzahl ein akuter Verteilungskonflikt geworden ist. Viele Entscheidungen fallen früher – in der Phase, in der eine bislang verlässliche Ressource unberechenbarer wird.

RIZA – Wasser und Macht ist ein fiktionaler Thriller. Der Artikel setzt reale Entwicklungen in Beziehung zu Motiven des Romans; die Handlung selbst ist keine Prognose der deutschen Wasserversorgung.